g.u.l.i.s. Konzert im JUZ – Explosiv
Großartiges Konzert von g.u.l.i.s.
Die Mischung aus alten – etwas neu arrangierten – Songs und ganz neuen Stücken, die auf der nächsten CD „Just like a river“ , die im Herbst 2018 erscheinen wird, boten ein dynamisches, kräftiges und variantenreiches Set, das begeistert aufgenommen worden ist.

g.u.l.i.s. in großer Spielfreude eröffnete mit einem Stück Warten, das in der Besetzung und mit einem elektronischen Programming angereichert, einen idealen Opener gab. Warten, ein bereits älteres Stück, das immer wieder live gespielt worden ist, wird auf der nächsten CD dabei sein.
Weiter ging es mit Somewhere else, ein treibendes Stück, das mit den Mythen der Rockmusikwelt kokettiert und drauf kommt, das hinter den oft wilden Männern und Frauen ziemlich konservative und einfältige Kreuzfahrttraumschiff-Träume stecken und in Erinnerung schwelgt und mit der Vergesslichkeit käümpft und erkennt, dass es gar nicht so schlecht ist, manches vergessen zu haben. Der Donald leitete vom Band das nächste Stück ein, Laugh bout my Resistance – das sich den beklemmenden Fragen der Kinder stellt, was wir getan haben, um das (diesen zerstörerischen menschlichen Todestrieb) zu verhindern und den Rechtfertigungen, die wir vorzubringen haben.
Blue blue screen, eine beschwingte und vorwärtstreibende Nummer aus der letzten EP „Borderlines“ führt zum Set Posttraumatic stress disorder und Evacuation. (Siehe auch making of) Vor allem bei Posttraumatic stellt sich die Frage, ob es nicht notwendig wäre, eine Band Version der Nummer nachzuschieben. Auf EP gibt es nur eine Duo Version.
Drummer Hannes Ressi – abwechslungsreich und elegant im Zwiespiel mit seinem elektronischen Partner Laptop – legte den Teppich für das ganze Konzert aus.
Es folgten wiederum drei neue Songs. It´s a rather strange world, eineNummer, die es ruhiger angeht und mit seltsamer – indischer und spährischer – Atmo angereichert, ziemlich pompös endet. Stable Condition (siehe auch Making of), das in der Mitte des Programms angesiedelt war, ist die exzentrische Geschichte einer älteren Frau, die drei Männer, ihren Ehemann eingeschlossen, mit einem Gewehr erschoss. Die näheren Umstände bleiben im Dunkeln. Der Polizei war es wichtiger, über den Zustand ihrer Einsatzkräfte zu berichten.

Toni Hüttmayr, Programmer, Bass und Vocals verleiht den Stücken Stärke, Kraft, treibender Eleganz und eine gehörige Portion Experiment.
Sad Song ist wohl der verstörendste aber auch interessanteste Song im Set von G.u.l.i.s. Ein industrieller tief gelegter rhytmischer Lärm korrespondiert mit einem Bass Riff. Ganz woanders in dieser Welt treibt eine E-Gitarre nicht von dieser Welt, ihr Unwesen. Gulis singt von der Paranoia, die uns alle befällt, weil wir nicht mehr wissen, wie lange Sicherheit Sicherheit ist und ab wann es unsere Sicherheit gefährdet?
Nadine ist ein leicht daher kommender Reggae, der dem Auditorium ein großes Bass Solo und ein Gitarrensolo beschert, bei dem bei jedem Jazz Konzert das Publikum wohl geklatscht hätte.
Hear the loaded gun, was ist das doch für ein verstörenders Stück? Ein Text, ein dystopischer Text, voll apokalyptischer Anspielungen und szenischer Eindringlichkeiten. endet in einer knalligen Improvisation der Band.
Gitarrist Zakk E. Rust webt ein dichtes Geflecht von Virtuosität und Kraft, Rockröhre und poetischem Ideenreichtum, der auch tänzerische Elemente in die Show einbringt.
Amidst the desert (Siehe auch Making of ) – bereits ein „alter Hadern“ von g.u.l.i.s. – etwas neu interpretiert – und aufgrund ihres kraftvollen Arragements und des eindringlichen Textes ein setvorantreibendes Stück, das den Höhepunkt und das Ende der Show einleitete.
Just like a river – neu und titelgebend für die im Herbst erscheinende CD von g.u.l.i.s. – ein grader treibender Rock Part, der von nächtlichen Herumtreibern in Städten erzählt, deren Szenen sich mit Menschen auf der Flucht vermischt, bis das alles nicht mehr so klar ist – alles im Fluß, möchte man meinen?

Sänger Gulis – mit seiner prägnanten und unverwechselbaren Stimme, entwickelt sich langsam aber sicher zu einem Frontman, der seine Texte nicht nur zu singen sondern auch zu interpretieren weiß.
Auf dem Weg bildet den Abschluß des Programms. Eine Ballade (siehe auch making of) , die von Entscheidungen erzählt, die lange Zeit elegisch bleibt mit einem Gitarren Solo, daskeine Vergleiche zu scheuen braucht und dann letztlich in einem lauten und dämonischen Freak out endet – das wird wohl zu einer Spezialität der Band.
Die Besonderheit , das in all der lauten Dichte und dem Lärm noch immer eine folkige Akustic Gitarre zu vernehmen ist, macht g.u.l.i.s. schwer einordenbar und verleiht neben Testosteron gschwängerten Industrial – Rock dem Ganzen trotzdem Zartheit, Fragilität und Schönheit.
Als Zugaben folgten Frog in the Box (siehe making of ) ein fragiles Konstrukt, das sich Brown Eyes nennt, das von einer aufwühlenden Begegnung mit einer vierjährigen in Schubhaft erzählt und dem Song About a dream (Siehe making of) – der als Ballade als Duo (Zakk und Gulis) sanft ausklingt und den Abschluß bildet. Ein in alle Richtungen bewegender Abend.
