Konzerte,  Veröffentlichung

Cafe Carina: CD Release Show Just Like A River

v.l.n.r.: Thomas Pfeffer, Martina Zinner, Florian Wisser. foto by gulis
Draussen war das Wetter alles andere als freundlich, typische November Wochenmitte an der man sich auf die Couch knotzt, die Süssigkeitenlade durchstöbert und sich eine Serie reinzieht.
Doch wackere Menschen trotzten dem Trend. Einige wollen einfach nur spielen und andere wollen zuhören und -sehen. Und die es trotz schniefender Nasen und kalten Zehen raus und ins Cafe Carina rein geschafft haben, haben es nicht bereut. Denn sie sind motiviert und energiegeladen heimwärts geschunkelt, ob mit der letzten U-Bahn oder doch noch  einer davor, war dabei egal; haben den aufkommenden Schnupfen weg geklatscht.
Pfeffer & Konsorten
Die auf den ersten Blick seltsame musikalische Mischung an dem Abend im Carina — das seit unserem letzten Besuch freundlicher, aufgeräumter und atmospährischer wirkte — was den Musiker*innen gut zu tun schien, fügte sich großartig zueinander. Die sich selbst als „Anheizer“ für den CD Release von g.u.l.i.s. bezeichnenden „Peffer&Konsorten“  machten ihrer Selbstbetitelung alle Ehre, wenn auch auf unkonventionelle Art und Weise.
3 Stimmiger Voll Sound by g.u.l.i.s. Foto by Barbara Schneider
Extravagante Besetzung: Eine Gitarre, eigentlich zwei Trompeten, eine davon wurde aufgrund eines Fahrradunfalls von Florian Wisser und einer aufgesprungenen Lippe auf eine Kazoo downgegradet und dreistimmiger Gesang, machen schon mal neugierig. Dann eröffnete Thomas Pfeffer noch, dass alle anderen Konsorten auch gesundheitlich angeschlagen wären und der Abend daher unter den Überschriften Tod und  Krankheit stehen würde. Dazwischen las Pfeffer kurze, schräg gereimte Gedichte und erzählte allerhand zu den Songs. Wenn man das so hört, alles Vorzeichen für einen verwirrenden, möglicherweise sogar langatmigen, anstrengenden Abend. Und genau das Gegenteil war der Fall. Würde man jetzt irgendwelche dramaturgischen Schlüsse ziehen, so müsste man den Konsorten raten, sich öfter mal marod auf die Bühne zu stellen.
Kurzum der verunfallte Wisser, der kränkelnde Pfeffer und die heissere Martina Zinner — an diesem Abend, erste Trompete — liefen trotz oder vielleicht deswegen zur improvisatorischen Höchstform auf. Das Publikum war begeistert, geschärft und aufmerksam, wie man es sich für einen CD_Release nur wünschen kann.
g.u.l.i.s. brauchte nur zu übernehmen und taten das auch. Wie schon bei der Release Show in Graz spielte das Quartett die Just Like A River Songs in der Reihenfolge, wie sie auch auf der CD zu finden sind und wieder einmal zeigte sich, dass der Bogen und die Zusammenstellung der Lieder außergewöhnlich gut gelungen ist. Zwischen streng, laut, wuchtig und zart, nachdenklich und experimentell sowie ausflippend, exaltiert changieren die Songs. Und — wahrscheinlich auch durch die „Anheizer“ — wurden die mitunter irritierenden Texte von Songschreiber Gulis auch konzentrierter wahrgenommen und entfalteten ihre Wirkung auf dem Teppich, den Ressi, Hüttmayr und Zakk E. Rust darunter webten.
g.u.l.i.s. in der aktuellen Form ist für jeden Veranstalter derzeit ein qualitativer Genuss. Sie stehen auf einem vorläufiger Höhepunkt an Spielwitz und Überzeugungskraft, die sie live wie im Studio entwickeln. Das lässt auf jeden Fall hoffen, dass die nächsten Konzerte, die im Jänner 19 folgen werden, ähnlich überzeugend und erfreulich für das Publikum sein werden.  Mehr ist ihnen  — Band und Zuhörer*innen — nicht zu wünschen.