Im Vorfeld des Workshops „Diversitätsprozesse in Bildungseinrichtungen neu gestalten“ am Bifeb (Bundesinstitut für Erwachsenenbildung) vom 28. Oktober 2021 im Rahmen der Ausbildung „Bildungsmanagement“ wurde ein Beitrag im freien Radio Salzkammergut zum Thema ausgestrahlt. Schwerpunkt des Beitrages war die Ausbildung „Bildungsmanagement“ am Bifeb. Der Workshop zu Diversität bildete dazu den Abschluß. Das ganze Interview zu DivCap und dem Workshop gibt es als Podcast bei commit nachzuhören und dauert 13:06 Minuten.

Das Bildungshaus Bifeb, mit Blick auf den Wolfgangsee. Foto: Ausbildungsgruppe Bildungsmanagement.

Wenn es um das Thema Diversität geht, werden nach wie vor ein paar hartnäckige Mythen verbreitet. Wie das meistens mit Mythen so ist, werden sie dem Umfang, der Richtung und der Komplexität des Themas nicht gerecht. Natürlich geht es auch um Sichtbarmachung und Repräsentativität. Also ist das, was etwa gerade in Werbung und Auftritt von Firmen und Unternehmungen sehr häufig geschieht, nämlich, dass wir etwa mittlerweile viele Menschen mit anderer Hautfarbe in Werbungen und der Öffentlichkeit sehen, ein wichtiger Schritt. Es verdeutlicht, dass die Bevölkerung, aber vor allem auch die Belegschaften von Firmen heterogen und vielfältig sind. Das gilt im übrigen auch für Kund*innen, die Unternehmen ansprechen wollen.

Bunt ist notwendig und repräsentativ, reicht aber nicht.
Foto: Wolfgang Gulis

Aber das ist bei weitem nicht alles. Hinter dem Begriff Diversität stehen auch handfeste gesellschaftliche Zu- und Umstände, die es zu verändern gilt, wenn man sich wirklich nachhaltig dem Thema nähern will/ oder muss. Offene und weniger offene Machthierarchien und -asymmetrien, individuelle und strukturelle Diskriminerungspraxen, eingeübte kulturelle, offene und versteckte Rassismen, Ordnungen von „Oben und Unten“, „Wir und die Anderen“, Regeln und Vorschriften, fehlende Mitspracherechte, ein nicht vorhandenes Leitbild in der Organisationen oder eine Arbeitspraxis, die mit dem Leitbild überhaupt nicht zusammen passt. All das und noch vieles mehr, sind Felder in dem Diversitätsmanagement zum Tragen kommen kann.

All dies ist auch nicht damit zu verändern, in dem man an irgendeinem Punkt eine einzelne Maßnahme umsetzt; und es ist vor allem auch nicht damit getan, wenn diese von „Oben Herab“ (Top down) verordnet wird. Und schon gar nicht ist es damit getan, dass Mitarbeiter*innen Schulungen besuchen. Das ist wichtig, aber sollte nicht dazu verleiten, damit zu glauben, man hätte ein Problem gelöst, geschweige denn Veränderungen eingeleitet.

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… sich mit Diversität auf organisationspolitischer Ebene zu beschäftigen, heißt strukturierte, langfristige und harte Arbeit. Wie dies eben generell für Organisationsentwicklungs- und Veränderungsprozesse gilt. Man braucht Ziele, einen Plan und eine strukturierte Herangehensweise, um tatsächlich Veränderungen umsetzen zu können. Man braucht einen Wertekanon, der die Themen proaktiv anspricht, Regeln (etwa antidiskrimimatorische Betriebsvereinbarungen), Mitspracherechte, transparente Arbeitsprofile, Jobausschreibungen usw. Die Themen gehen einem dabei nicht aus. Aber jede*r Einzelne braucht auch Wissen, Fähigkeiten mit den neuen Gegebenheiten umzugehen, soziale Fertigkeiten, um Konflikte konstruktiv zu bearbeiten, Zusammenhänge und Verhaltensweisen an sich und mit Anderen gemeinsam ändern zu können.

…ist also harte Arbeit und braucht einen Plan.
Foto: Ausbildungsgruppe Bildungsmanagement.

Das von der Europäischen Kommission finanzierte Erasmus+ Projekt „DivCap“[1] entwickelte für Einrichtungen der Erwachsenenbildung konkrete Maßnahmen und die dazu gehörigen Grundlagen in mehreren Arbeitsschritten. Unter der Projektleitung von Helga Moser vom Institut für Soziale Arbeit der FH JOANNEUM in Graz arbeiteten Partnerorganisationen aus sieben verschiedenen Ländern daran. Div Cap konzentrierte sich bei seinen Aktivitäten vor allem auf die Ebene der Belegschaft und Mitarbeiter*innen sowie auf die organisationale-strukturelle Ebene, der Umsetzung konkreter Maßnahmen und Veränderungen. Dazu wurde ein mehrteiliger Stufenplan (Prozess) entwickelt, der eine wichtige Prozessanleitung in Zukunft für Organisationen aber auch Beauftragte für Diversität werden wird.

[1]  DiversityCapacities: Improving the capacities of Adult Education Institutions to successful dealing with diversity (DivCap). Verbesserung der Kapazitäten (Wissen, Kompetenzen) von Erwachsenenbildungseinrichtungen zum erfolgreichen Umgang mit Vielfalt.

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