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Jul 19

Der Jubel war riesig

Gesprächspartner:
Tomislav Kocijan, Sturm Spieler von 1997 bis 2001
Thema:
Die Champions League – Qualifikation 2000
Protokollant:
Wolfgang Gulis
Foto:
GEPA pictures
Ort, Zeit:
Graz, im Juni 2018

 

So, jetzt hab ich Zeit. Bitte. Die Champions League Quali 2000, ja Moment Mal … Hapoel Tel Aviv und SturmEcho#353 Titel neuFeyenoord, stimmt! Also ja, die Israelis waren bärenstark. Die haben in Graz wirklich gut gespielt. Kein Wunder, ich glaub´ drei Viertel der Mannschaft waren Nationalspieler. Das war ein knappes Match, da hatten wir auch bissl Glück. Aber der Schickl (Schicklgruber, Anm. d. Red.) hat sensationell gehalten. Ich bin für den Yuran eingewechselt worden, so irgendwann nach der 60. Minute. Da haben wir 1:0 geführt. Kurz darauf gab´s einen Ausschluss gegen einen Israeli, das hat auch geholfen. Und der Güntschi (Neukirchner, Anm. d. Red.) hat ganz spät noch das 3:0 geschossen.
Aber das Rückspiel war fast ebenso schwer. Ein sehr lautes Publikum, das Hapoel richtig angetrieben hat. Es war auch hitzig. Ich weiß noch, dass der Ferdl (Feldhofer, Anm. d. Red.) ausgeschlossen wurde. Alles spielte sich danach in der 2. Halbzeit ab. Ach ja und die Verletzung vom Ivo (Vastic, Anm.d. Red.), kurz vor der Pause. Das hat uns ganz schön geschüttelt. Aber in der Pause haben wir eine „jetzt erst Recht“ Stimmung  aufgebaut. György (Korsos, Anm. d. Red.) hat das 1:0 gemacht, ich glaub´ so um die 70. Dann haben die Israelis ausgeglichen. Aber wir haben Contra gegeben. Und durch eine schöne SturmEcho#353 KocijanAktion waren wir dann durch;  ich hab den Ball im Mittelfeld bekommen, lauf auf den 16er zu, spiel ins Loch auf Hannes (Reinmayr), der stand im Abseits, ließ den Ball aber durch, ich, einfach weiter, hab meinen eigenen Pass erlaufen und hab eingeschossen.
Gegen Rotterdam waren wir Außenseiter. Aber wir waren als Mannschaft ein super Truppe. Wir haben an uns geglaubt und bei uns lief der Schmäh. Wir haben uns einfach gut verstanden.  Zu Hause gegen Feyenoord fing es ganz schlecht an, die gingen schon nach zehn Minuten in Führung. Dann hatten wir einen Elfer, Yuran wurde im  Strafraum gefoult. Schoppi haut ihn rein. Der zweite, glaube ich, war kurz vor Schluss. Szabics ist gefoult worden. Schopp tritt an und macht das 2:1. Die Chance lebte.
Beim Rückspiel hatte ich Probleme. Kreuzschmerzen. Ich konnte zehn Tage nicht trainieren, erst als wir in Holland waren, habe ich 2 Trainings mit gemacht.  Dort – im De Kuip – auf zu laufen war schon was besonders, die Stimmung war einzigartig. Wir gingen 0:1 in Führung, ein Schuss vom Reinmayr abgefälscht, es war in der 2. Halbzeit, 60. Minute herum. Ich habe bei einem Freistoß leider nur die Latte getroffen. Klar haben die Holländer dann gedrückt auf den Ausgleich. Aber wir haben uns gut geschlagen.SturmEcho#353 Kocijan bild
Und den Ball immer wieder gut halten können, auf Zeit gespielt. Das hat den Zuschauern sicher nicht geschmeckt (lacht). Da war die Stimmung im Stadion schon sehr laut, aber das war uns wurscht, wir waren abgebrüht. 86. Minute Freistoß von rechts an der 16 er Linie, ein Holländer köpft den Gili (Prilasnig, Anm. d. Red.) an der Schulter an, der Ball geht ins Tor. Dann wurde es noch mal richtig heiß. Aber wir haben es drüber gebracht. Der Jubel war riesig.
Wir waren europaweit  eine Überraschung. Nicht viele hatten uns da auf dem Zettel, das wir die Champions League nochmals erreichen würden. Ich habe auch an die drauffolgenden Spiele in der Gruppenphase gute Erinnerungen, gegen Zagreb hab ich auch ein Tor gemacht. Es waren eine einmalige Zeit.